Dienstag, 28. Juni 2011

Die Nordseewoche – ein erkenntnisreicher Probetörn

Dieses legendäre Regattaspektakel jedes Jahr zu Pfingsten, immerhin schon seit 1921, hat uns im letzten Jahr so begeistert, dass nach dem Kauf der Now schnell feststand, wir sind dabei. Die Zubringerregatta von Hamburg über Cuxhaven nach Helgoland, dann die Wettfahrten rund Helgoland und die Hochseeregatta, die Pfingstmontag nach Edinburgh startet, sollte ein willkommener Probeschlag für unsere Ovni sein. Die Crew wechselt während dieses zweiwöchigen Törns und ist recht bunt gemischt von Anfänger bis erfahrener Regattasegler. Weitere Infos zur Nordseewoche gibt es auf deren Webseite, s. in der Rubrik „Partner/Links“.

Und so kam es dann: Donnerstag Abend trifft die Crew – Jan, Ebi, Richard - im Wedeler Yachthafen zusammen mit den letzten gerade noch beschafften Ausstattungen ein. Für die Regatta gibt es festgelegte Sicherheitsstandards und -ausstattungen. Und am Dienstag zuvor fand der legendäre „Stubendurchgang“ von Rosi statt, einer erfahrenen Regattiererin aus unserem Verein. Mit vielen hilfreichen Tipps und deutlichen Ansagen, was auf einer Regatta gar nicht geht, hatten wir dann in den letzten zwei Tagen vor dem Start noch eine lange Liste abzuarbeiten. Nun denn, kurz bevor der Tresen auf der Eröffnungsparty abgebaut wurde, treffen auch wir dort zum wohlverdienten Bier ein.

Freitag 9 Uhr die erste Wettfahrt von Hamburg nach Cuxhaven. Wir fahren nebenher, d.h. außerhalb der Wertung. Wir wollen uns erst einmal das Startprocedere anschauen und die Crew soll sich an Bord ein bisschen warm laufen. Wind ist wenig und kommt gegen an. Die Elbe muss aufgekreuzt werden. Wir schaffen es nicht dem Regattafeld zu folgen. Unsere Now hat einen Wendewinkel von 130 Grad. Die Kreuzeigenschaften sind bekanntermaßen bei diesem Schiffstyp nicht herausragend, aber so mies hatten wir uns das nicht vorgestellt. Ab Brunsbüttel motoren wir gegen die Tide an. Um 21.30 Uhr erreichen auch wir dann Cuxhaven.

Samstag 10.30 Uhr unsere erste Wettfahrt von Cuxhaven nach Helgoland. Wir sind früh draußen und üben noch ein paar Manöver. Am Start kommen wir etwas spät, aber einigermaßen gut weg. Pech nur, dass die Elbemündung aufgekreuzt werden muss. Wie am Vortag schlägt es uns weit nach hinten. 8 Seemeilen vor Helgoland schläft der Wind völlig ein, so dass wir mit der Tide zurück Richtung Cuxhaven treiben. Wir geben auf und schmeißen den Motor an. Damit ist diese Wettfahrt leider für uns zu Ende. In der Ergebnisliste erscheint ein DNF – did not finish.
Im Hafen liegen wir neben der „Dantes“, einer Swan 48 auf der wir im letzten Herbst mit Constantin Claviez ein super gutes Schwerwettertraining absolviert haben, s. auch unter „Partner/Links“
Abends treffen wir Jimmy Lösche. Der Kontakt ist über die Crewbörse entstanden, denn Jimmy will nach Edinburgh segeln und wir haben noch Bedarf an Crew. Wir schildern ihm unser Problem an der Kreuz und Jimmy will sich das am nächsten Tag mal ansehen.

Sonntag 9.30 Uhr Wettfahrt Rund Helgoland. Da die Wetterlage morgens zur Steuermannsbesprechung nicht klar vorauszusagen ist, wird die Bahn erst kurz vor dem Start über Funk bekannt gegeben. Was zu regem Funkverkehr, vielen Rückfragen und einigen Missverständnissen führt. Beim Kreuzen über die Startlinie und bis zu ersten Wendemarke scheuchen wir das Feld mal wieder vor uns her. Die anderen Kurse laufen ganz ordentlich. Immerhin kommen wir diesmal unter Segeln ins Ziel und gewinnen die „Rote Laterne“, den Preis für den letzten Platz.
Abends treffen wir wieder Jimmy und für ihn ist völlig klar: „Der Mastfall stimmt nicht.“ Also der Mast hat zuwenig Biegung nach hinten und damit kann man nicht kreuzen. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen. Dann soll der Mast richtig gestellt werden.
In der Nacht nimmt der Wind zu und die „Päckchen“ vertreiben. Der Helgoländer Hafen ist voll und wir sind das 13. Schiff vom Steg aus. Also, raus aus der Koje, Leinen los und einen anderen Liegeplatz suchen. Die ersten Schiffe starten bereits zurück Richtung Hamburg mit der passenden Tide und die Liegeplätze sortieren sich neu. Nach einer Stunde liegen wir wieder fest.

Montag 9.00 Uhr. Die für heute geplante Wettfahrt lassen wir sausen. Jan und Richard müssen am nächsten Tag arbeiten und gehen sowieso am Nachmittag von Bord um nach Hamburg zu fliegen bzw. mit der Katamaranfähre zu fahren. Jimmy tritt an Bord und macht unser Schiff regattatauglich. Das Vorstag wird verlängert, das Achterstag mit einer Taille gespannt, so dass der Mast rund wird wie eine Banane. Alles für eine Regatta überflüssige wird abgebaut. Die Sicherheitsausstattung bereit gelegt und die Sturmsegel angeschlagen. Denn wir müssen an der Wettfahrtleitung vorbei „Parade fahren“ und die orangenen Sturmsegel vorzeigen, sonst werden wir nicht zum Start zugelassen. Auf dem Weg zur eigentlichen Startlinie wird dann noch mal schnell der Anschlagpunkt für das Vorsegel verändert. So, und nun geht es endlich los! Wir sind echt k.o. vom Werkeln den ganzen Tag und den kurzen Nächten, aber egal, jetzt wird erst mal gesegelt.

Montag bis Freitag: Wir sind zu viert auf dem Weg nach Edinburgh. An den Wachrhythmus gewöhnen wir uns schnell – nachts 4x 3 Stunden, tagsüber 2x 6 Stunden oder auch nach Bedarf. Die Regatta beginnt mal wieder mit einer Kreuz, bei der wir diesmal mithalten können. Wir sind verblüfft, was Jimmy so rausholt. Er bringt unserem Schiff (und uns) echt das Segeln bei. Später dreht der Wind und wir können den Gennaker setzen. Mit 7 – 8 Knoten Richtung Schottland, da kommt Freude auf. Am Donnerstag ist dann leider Flaute angesagt und Tide gegen an. Dabei können wir die Küste schon sehen. Wir haben einen engen Zeitplan und müssen am Freitag in Edinburgh ankommen. Deshalb entschließen wir uns den Motor anzuwerfen. Also wieder ein DNF für uns. Am Freitagnachmittag kommen wir heil, etwas müde und vor allem duschbedürftig im Royal Forth Yacht Club an. Der Hafen fällt komplett trocken, aber dank unseres geringen Tiefgangs können wir auch bei halber Tide noch den Steg erreichen.
Hier stößt Susanne zu uns, die mit der Rückfahrt nach Hamburg ihren ersten Hochseetörn erlebt. Den Abend verbringen wir bei Fish and Chips zu Lager and Stout im Clubhaus.

Samstag bis Mittwoch: Wir gönnen uns das schottische Frühstück im Clubhaus mit Rührei, Speck, Lammwürstchen, gebratener Blutwurst und natürlich Bohnen. Lecker und reicht für den ganzen Tag. Noch steht der Wind und die Tide nicht günstig, daher nutzen wir die Zeit für einige Verrichtungen an Bord. Gegen Abend entschließen wir uns zum Aufbruch, auch wenn wir erst mal aus dem Fine of Forth heraus motoren müssen. Das Barbecue mit den Dudelsackspielern am Abend findet leider ohne uns statt, denn wir müssen spätestens Mittwoch in Hamburg sein. Für Ebi ist das schon zu spät, daher steigt er hier aus und nimmt den Flieger zurück. Wir sind also wieder zu viert auf der Rückreise. Der bekannte Wachrhythmus ist schnell gefunden. Bei moderaten Winden können wir zwei Tage den Gennaker setzen, dazwischen gibt es immer wieder ein paar Flautenlöcher, die wir diesmal ungestraft motoren. Am Mittwochmorgen um 01.30 Uhr kommen wir auf Helgoland an und verabschieden uns von Jimmy. Für uns beginnt der Tag um 6 Uhr, schnell noch duschen und dann ab nach Hamburg. Bis Cuxhaven rauschen wir mit halbem Wind. Dann ist er weg, der Wind und wir motoren bis Wedel, wo wir gegen 20 Uhr pünktlich zum heftigen Regenschauer eintreffen.

Fazit: Man kann es am besten so beschreiben: Wir sind mit einem „Käfer“ auf dem Nürburgring gestartet. Der zudem noch heftige Fehlzündungen hat und total falsch eingestellt ist. Dank der Erfahrung und dem Einsatz von Jimmy können wir die Fehlzündungen beheben. Ein „Herbie“ ist trotzdem nicht draus geworden. Deshalb werden wir in Zukunft den Nürburgring auslassen. Aber man weiß ja: die Käfer, die laufen und laufen und laufen…
Ein paar Forschungsaufträge bleiben: Wieso haben wir Diesel in der Bilge und woher kommt das Wasser in der Achterpiek? Aber wir haben ja noch vier Wochen bis zur Abreise. Alles in allem also ein erkenntnisreicher und damit erfolgreicher Probetörn!

An dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank an die Crew, die sich auf diesen Törn, auf unser Schiff und uns eingelassen hat und vor allem an Jimmy, der uns die Erfahrung seiner 72 Lenze so bereit willig zur Verfügung gestellt hat und uns auch noch weiterhin unterstützt.