Letzten Sonntag der Start: Über 200 Schiffe legen ab. Die Crews haben sich fein rausgeputzt und fiebern dem Start entgegen. Für viele ist es die erste Atlantiküberquerung und die Aufregung ist groß. Familie und Freunde kommen, Fotos werden gemacht, auf dem Nachbarsteg spielt jemand auf einer Trompete Abschiedslieder, daneben hängt noch einer im Mast und gegenüber werden die letzten Gallonen Wasser verstaut. Vor der Hafenausfahrt wird es voll. Die Crews, viele kennen sich nach zwei Wochen Vorbereitung, winken, grölen und tröten sich zu. Die Hafenmole ist voller Zuschauer. Draußen begleiten viele einheimische Boote bunt geflaggt das Regattafeld. Der kommerzielle Hafen ist gesperrt, der Startbereich weitläufig angelegt, so dass man sich nicht ins Gehege kommt. Das Wichtigste hier: kein Frühstart! Der sonst übliche Rückruf der Frühstarter entfällt aus Sicherheitsgründen statt dessen gibt es eine Strafe über drei Stunden auf die Gesamtzeit. Bei blauem Himmel und kräftiger Brise lassen wir es daher gemütlich angehen, nur mit Genua dafür direkt an der luvwärtigen Tonne, damit wir nicht in den Windschatten der meist größeren Schiffe geraten. Nach dem Start kommen wir bis zum nächsten Morgen gut voran, dann ist Flaute. Und das nervt. Wir haben noch keine Seebeine, das Schiff schaukelt furchtbar, die Segeln flappen hin und her, es ist heiß. Aber wir halten durch, schmeißen den Motor nicht an (das gibt Minuspunkte) und mittags geht es auch schon wieder zügig voran. Die nächsten Tage haben wir meist guten Wind und können die ideale Route segeln. Wir machen Etmale von max. 208 Seemeilen! Damit haben wir selber nicht gerechnet. Wie unsere Bodenstationen uns mitteilen, liegen wir zurzeit nicht schlecht, aber wir haben auch noch ein paar Meilen vor uns – ca. 2200. Langsam spielt sich die Bordroutine und der Wachrhythmus ein. Und es wird heißer. Wir haben 27 Grad unter Deck und schaukeln zurzeit gemütlich mit 7 Knoten über stahlblaues Wasser. Alle Korrosion und Galvanik ist vergessen. Die Ersatzteile haben uns am letzten Tag noch erreicht und warten nun in der Vorschiffskoje auf den Einbau.
Die anderen Schiffe sehen wir schon länger nicht mehr. Das Feld zieht sich schnell auseinander. Gestern Nacht haben wir noch einen Segler gesehen, tagsüber einen Fischtrawler.
Heute gab es eine kurze Schrecksekunde für Bärbel. Ein worst case an Bord ist: Einer geht über Bord, während der andere schläft. Heute dann: Bärbel wacht auf und guckt an Deck, kein Holly da. Bärbel guckt unter Deck in alle Kabinen, kein Holly da. Noch mal an Deck, keiner da. Bärbel ruft laut, erschreckt, schrill und … Holly antwortet. Er steht auf dem Ankerbeschlag vor den beiden Passatsegeln, klariert dort etwas und ist absolut nicht zu sehen. „Ich war mal eben im Separee" grinst er. Echt tolle Nummer!
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