Unser Gennaker (dieses bunte Leichtwind-Segel ganz vorne) kann nicht richtig befestigt werden. Die Standardlösungen lassen sich auf unserem Schiff nicht anbringen; wir brauchen eine Einzelanfertigung.
Jochen, der mit uns in der Bretagne gesegelt ist, empfiehlt uns einen Metallbauer in Galizien. Jochen hat an der Germania mitgearbeitet, dem in Vigo entstandenen Nachbau einer alten Rennyacht. Daher kennt er dort einige Handwerker. Also, machen wir uns auf, den Metallbauer zu engagieren. Laut Jochen heißt die Firma ALYOS. Der Chef Alvero, spricht gebrochen englisch, wohnt in Moana-Pontevedra und kommt in den Hafen von Marin. Auf nach Marin in der Ria de Vigo! Marin hat keinen Yachthafen, nur eine private Marina gleich gegenüber dem militärischen Ausrüstungskai. Wir schauen uns dort um, aber die Liegeplätze sind sehr kurz und die uniformierte Wache kommt gleich auf uns zugesteuert. Nee, das ist hier nix für uns. Nehmen wir eben den nächsten Yachthafen etwas nördlicher, Comberra, auch nicht weit von Pontevedra entfernt. Von dort versuchen wir die Firma ALYOS anzurufen. Auf unsere englische Frage nach Alvero, sagt die Frau deutlich „Si, si!“ und dann geht es spanisch weiter, was wir leider überhaupt nicht verstehen. Fragen wir doch den Hafenmeister, der einige Worte englisch spricht, ob er für uns ALYOS anruft. Er versteht uns leider nicht, kann er uns aber mitteilen, dass Moana sehr weit entfernt an der nächsten Ria liegt und gar kein Stadtteil von Pontevedra ist, wie wir angenommen hatten. Google verrät uns, wo Moana liegt, und die Seekarte, dass es dort einen Hafen gibt. Fahren wir also erst mal hin. Zwei Tage später, am späten Nachmittag angekommen, tragen wir unser Anliegen der dortigen Hafenmeisterin vor. Sie spricht überhaupt kein englisch, ist aber sehr bemüht. Mit Händen und Füßen und dem Übersetzungsprogramm auf ihrem Rechner können wir ihr mitteilen, dass wir die Fa. ALYOS suchen. Kennt sie nicht, aber sie ruft dort an. Es nimmt niemand ab. Machen wir doch noch einen Spaziergang und schauen uns die Werkstatt einmal an. Die Hafenmeisterin malt uns eine kleine Skizze und wir ziehen los. Nach einer halben Stunde, Moana liegt sehr schön am Berg und der Weg geht steil bergauf, stellen wir fest, dass wir weder die Straße noch die Werkstatt gefunden haben. Wir zeigen einer Passantin die Adresse. Ein Schwall spanischer Worte ergießt sich und ein kräftiges Arm wedeln nach rechts setzt ein. Okay, rechts lang. Nach einer Weile kommen wir an einem Café vorbei. Wir kehren erst mal ein, trinken was und fragen den Wirt nach der Fa. ALYOS. „Si, si!“ Kurze Umfrage seinerseits, ob jemand „inglese“ spricht. Nein, das nicht, aber alle wollen jetzt wissen, worum es geht. „.…. ALYOS“ „Si, si!...“ Die Firma scheint hier gut bekannt zu sein. Dann kommt jemand auf uns zu. Wir bekommen eine neue Skizze mit einer kurzen englischen Erläuterung. Okay, dann mal weiter. Und tatsächlich, nach einer weiteren halben Stunde finden wir den Betrieb, geschlossen, aber es gibt ihn. Nun nur noch die paar Kilometer zurück zum Hafen und morgen einen neuen Versuch per Telefon. Am nächsten Vormittag haben wir doch tatsächlich sofort Alvero am Telefon. Er ist ein wenig irritiert, wer da spricht, doch die Grüße von Jochen stimmen ihn sofort freundlich. Allerdings findet er das Ganze „difficulty“ und „I don´t understand“. Wir können verabreden, dass wir ihm eine Mail schicken. Was wir dann auch gleich tun. Gut, bis Alvero antwortet, können wir ja erst mal einen Kaffee trinken gehen. Gerade wollen wir von Bord, stehen zwei Herren auf dem Steg. Der Ältere: „Ola, I´am Alvero and this is my son.“ Hoppla, das ging jetzt aber fix! Ja, er wohnt in der Stadt und hat es nur fünf Minuten zum Hafen. Wir erklären ihm unser Anliegen und er entwickelt eine Konstruktion, die allerdings sehr aufwendig ist. Nach einer ausführlichen Debatte in englisch mit viel „Gebärdensprache“ und Papierskizzen können wir uns auf eine einfachere Ausführung einigen. Alvero kommt am späten Nachmittag noch einmal mit einem Materialbeispiel und das ganze nimmt Form an. Kurz vorm dunkel werden kommt er ein weiteres Mal, nennt uns seinen Preis und hofft bis zum nächsten Tag, einem Freitag, fertig zu werden. Na, das läuft doch super! Am nächsten Morgen, Bärbel steht unter der Dusche, Holly schläft noch, rumpelt es auf dem Vordeck. Alvero ist da und muss noch mal schnell was ausmessen. Mittags kommt er samt Mitarbeiter vorbei und passt die Teile an. Tja, und abends muss er uns leider mitteilen, dass der Gennakerbaum doch erst am Montag fertig wird. Na gut, auch nicht schlimm, wir haben es nicht eilig. Jetzt wollen wir erst mal essen gehen und fragen die Hafenmeisterin nach einem Restaurant. Wir bekommen wieder eine Skizze und marschieren los. Mal sehen, ob sie diesmal stimmt. Gegen 20.30 Uhr treffen wir am Restaurant ein, aber es ist geschlossen. Zwei Herren, die ebenfalls vor der Tür stehen, sprechen uns an und zeigen auf die Uhr. Okay, öffnet wohl gleich. Gegen wir solange gegenüber in eine Bar. Um 21 Uhr ist der Laden auf und auch gleich gut besetzt. Am Tresen treffen wir – Alvero! Dies sei seine Stammkneipe und sehr zu empfehlen. Er spendiert uns eine Flasche Wein und wünscht guten Appetit.
Montag: Punkt acht Uhr wird der Gennakerbaum geliefert und montiert. Wir müssen das Rigg noch einmal lösen, aber mittags ist alles fertig und wir sind sehr zufrieden. Wir legen ab. Heute ist leider kein passender Wind um den Gennaker zu setzen, schade. Aber am nächsten Tag können wir tatsächlich unsere neue Konstruktion testen. Alles passt hervorragend!
Natürlich gehen wir auch gerne auf Anregungen unserer Leser ein. „Dreht doch mal´n Film!“ so der Wunsch eines einzelnen Herrn. Klar, machen wir! Auch wenn am Ende der Aufnahme der Kamerafrau der Schalk im Nacken sitzt, schaut mal rein und viel Spaß dabei!
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| Klare Sache, hier geht das lang. |
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| Baubesprechung |
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| Die Montage erfolgt. |
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| Alvero im Einsatz. |
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| Der Gennakerbaum aus massivem Niro. |
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| Zwei Tage später der Test. |
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| Passt prima vorne am Ankerbeschlag. |
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| Die Konstruktion hält was aus. |
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| Das muss natürlich alles dokumentiert werden. |
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| Kamerafrau im Einsatz. |
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So macht segeln Spaß!
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"Dreht doch mal´n Film!" Jupp, hier isser.