Seit unserer Entscheidung zu dieser Reise im November 2010 haben wir uns von einem Termin zum nächsten gehangelt, im Winter Seminare - Funkschein, Sicherheitstraining, 1.Hilfe, SHS-Kurs - dann die Reisevorbereitungen, noch einen Probetörn und schnell mal eine Hochseeregatta nach Edinburgh (wir hatten zuvor noch nie selbst an einer Regatta teilgenommen). Nebenbei natürlich noch arbeiten und der normale Alltag. Innerhalb von 10 Tagen haben wir unseren Haushalt komplett aufgelöst und ... und … und... Anfang August dann zügig los, damit wir dem Herbst davon segeln, die Biskaya schaffen und auf die Kanaren kommen. Dabei das Schiff kennenlernen und noch ein paar Optimierungen und Änderungen durchführen, Fotos machen, Blog schreiben, dann die ARC, alles super gelaufen, aber volles Programm, 3000 Meilen über den Atlantik, gerade in der Karibik angekommen, steht Besuch ins Boot.
Wir wollen uns nicht beklagen, keineswegs! Diese Reise ist ein Geschenk, das nicht allen Menschen beschert wird und schließlich selbst gewählt. Trotzdem, wir sind einfach mal platt! Im Nachhinein betrachtet haben wir uns zu wenig Zeit gelassen, das Schiff und die Technik an Bord kennen zu lernen. Allen, die ähnliches vorhaben, sei geraten, nehmt Euch ausgiebig Zeit für die Vorbereitungen.
Nun gut, liegen wir einfach mal zwei Wochen in Jolly Harbour. Hier gibt es auch alles, was das Seglerherz begehrt. Einen sehr gut sortierten Supermarkt, der sieben Tage die Woche 12 Stunden geöffnet hat, den besten Internetempfang seit Hamburg und jeden Abend Happy Hour an Bar. Und da lernt man Leute kennen.
Zum Beispiel Otto, Anfang 60 aus Düsseldorf, ist immer ein halbes Jahr unterwegs, das andere halbe Jahr jobbt er. Hat gerade Besuch von seiner 10 Jahre jüngeren Partnerin, die ihren Job liebt und sich Überstunden erarbeitet, Auszeiten nimmt, Urlaub zusammen spart, um möglichst lange mit Otto segeln zu können. Wir unterhalten uns über unsere noch nicht vorhandenen USA-Visa. Otto kennt einen Segler, der ein Jahr zuvor auch unterwegs ein Visa beantragt hat - Volker, auf seiner Webseite beschreibt wie er in der US-Botschaft in Havanna auf Kuba (doch, da gibt es wirklich eine) ein Visum bekommt. Auch sonst sehr lesenswert die Seite www.vela-sailing.de.
Oder Christian, kommt mit seinem Schiff aus Trinidad, ist Richtung Norden unterwegs, läuft Jolly Harbour an um ein paar Bier zu trinken, auszuschlafen und dann weiter. Nun ist er seit zwei Jahren hier, der Liebe wegen, und bietet Tagestörns an.
Oder Paul, ein drahtiger Mittsechziger, Däne mit deutschen Wurzeln und seit 25 Jahren Mitglied im Kieler Yachtclub, hat vor einiger Zeit einen Schlaganfall gehabt, saß vor einem halben Jahr noch im Rollstuhl. Als er wieder gehen konnte, machte er als erstes eine Atlantiküberquerung mit seiner sehr eleganten 70 Fuß Ron Holland. Den Innenausbau hat er selbst entworfen und technisch entwickelt. Holly staunt über die qualitativ hochwertigen Oberflächen in Vogelaugenahorn, Bärbel ist eher von dem Geschirrspüler und der voll kardanisch aufgehängten Waschmaschine begeistert. Oder Jim, eine Viertelstunde nach dem er neben uns angelegt hat, hocken wir bei ihm an Bord über Karten von den großen Seen, da wollen wir hin und Jim stammt von dort. Er gibt uns sehr hilfreiche Tipps und seine Adresse für Fragen und zum Vorbeikommen.
Und dann der Hammer. Da kommt ein sehr elegantes Aluschiff in den Hafen (lange Hälse bei uns), mit deutscher Flagge (aha, mal ansprechen), mit Trans Ocean-Stander (sympathisch,da sind wir auch Mitglied) und dem SVAOe-Stander!!! (unser Verein!!! Sofort hin!!!) Das Schiff haben wir schon in Wedel bewundert (tolles Design), die greyHound, aber die Eigner kennen wir nicht. Die nächste Happy Hour ändert das, die verbringen wir mit Da gmar und Dietmar. Siehste mal, die Welt ist klein oder die SVAOe groß.
Na, und dann haben wir auch noch einiges am Schiff getan. Die Genua ist für leichte Reparaturarbeiten beim Segelmacher gewesen und Jogi, ein erfahrener Fahrtensegler, hält uns davon ab, den etwas schwer gängigen Fockroller einfach mal an den Sprengringen zu öffnen und zu schmieren. Nein, bloß nicht, nur mit Wasser spülen. Stimmt, klappt sehr gut. Glück gehabt, das Ding hätten wir wohl nicht wieder zusammen bekommen. Wir wissen jetzt auch, dass Trinkwassersysteme Filter haben und wenn man die ab und zu austauscht, schmeckt das Wasser auch nicht mehr so sehr nach Aquarium ganz unten. Ja, Mensch, unser Jollenkreuzer hatte so was nicht und auf Charterschiffen hat es uns nicht interessiert. Wir lernen jetzt erst die Dickschifferei und was zur Handhabung einer Yacht dazu gehört.
Und wir überlegen natürlich wie unsere Route weiter verlaufen soll. Wir halten an der Grundidee fest, einmal den Nordatlantik zu umrunden, das aber mit Abstechern und Schleifen. Lange unklar war, wie wir die Winter verbringen wollen. Nun haben wir uns entschieden und stellen Euch hier die weitere Route vor.
2012
- bis Ende März – Antigua, St. Maartin, British Virgin Island, dann über Puerto Rico und Turks and Caicos Islands auf die Bahamas
- April – Bahamas und dann nach Miami mit Claudia und Inken
- Mai + Juni – Intracoastal Waterway und Ostküste USA bis New York zeitweise mit Jürgen
- Juli bis Mitte Oktober – Große Seen und Chicago
- Mitte Oktober bis Mitte Dezember - „USA von innen“, Motorbootfahrt auf dem Mississippi und andere Flüsse bis an den Golf von Mexico
- Weihnachten in New Orleans
- bis Mitte Februar – Golf vom Mexico, Belize, Guatemala
- Mitte Februar bis Ende März – Kuba
- April und Mai – Ostküste USA nach Canada
- Juni – Nova Scotia mit Bärbel´s Eltern
- Juli – Ostküste Canadas Richtung Grönland
- August – Westküste Grönlands
- September und Oktober – Zurück nach Canada
- ab November – Überwinterung in Canada
- bis April – Überwinterung in Canada
- Mai – Canada
- Juni bis Mitte August – nach Island, Island erkunden und weiter über Jan Mayen nach Spitzbergen
- Mitte bis Ende August – Spitzbergen
- September und Oktober – von Spitzbergen über Norwegen, Dänemark zurück nach Hamburg
So, das war´s für heute. Fotos gibt’s heut´ nicht, zu anstrengend. Wir müssen noch etwas chillen. Mittlerweile liegen wir vor der Marina auf Anker. Da kann man morgens schön schwimmen und es entlastet die Reisekasse.