Sonntag, 19. Februar 2012

St. Maartin ist anders!

Vor Antigua lagen wir noch einige Tage vor Anker und erledigten ein paar Dinge an Bord. Zum Beispiel musste die Rolle für den Gennaker oben am Mast ersetzt werden. Der Verschleiß nach 7000 Seemeilen war sehr deutlich.

Dann geht es mit einem Nachttörn nach St. Maartin. Der Wind ist gut, die Welle eher wie Ostsee, kurz und steil. Unser Ruderblatt sorgt reichlich für Bodybuilding. Wir können das Blatt an unserem Schwertschiff mittels eines Hydrauliksystems hochklappen. Bei diesem Törn will das Blatt nicht unten bleiben, sondern kommt von alleine immer wieder hoch. So kann man auch steuern, aber es ist sehr kraft aufwändig. Der Autopilot streikt da gleich. Also müssen wir die ganze Nacht selbst steuern und kommen mit breiten Schultern auf St. Maartin an. An der Behebung des Problems arbeiten wir und sind sehr zuversichtlich, das es klappt, denn wir werden von Klaas mit guten Tipps und Reparaturanleitungen versorgt.

St. Maartin - die karibischen Inseln sind mit ihren vielen verschiedenen Staaten, Sprachen, Währungen eh´ schon ein Schmelztiegel der Kulturen, aber der Höhepunkt ist eindeutig St. Maartin. Die Insel ist nur 88 km² groß (kleiner als Sylt), besteht aber aus zwei Staaten, dem französischen Saint Martin und dem zu den niederländischen Antillen gehörenden Sint Maarten. D.h. drei Währungen (Euro, Guilder und Dollar), vier Sprachen (französisch, kreolisch, niederländisch, englisch), zwei Telefonsysteme, zwei Stromsysteme (110V und 230V). Da soll erst mal einer durchblicken. Außerdem hat St. Maartin eine wunderschöne große Lagune von 20km², im Süden „dutch side“ mit richtig holländischer Klappbrücke in der Zufahrt, im Norden „french side“ mit einer Drehbrücke im Zufahrtskanal. Wie wir schon von Seglern auf Antigua erfahren haben, fährt man am besten durch die niederländische Brücke in die Lagune, vergisst die Brückengebühr, fährt quer durch die Lagune auf die französische Seite und klariert dort ein. Die Franzosen nehmen für das Ankern keine Gebühr. Die Lagune ist mit bestimmt hunderten von Schiffen belegt. Einen Ankerplatz findet man dennoch immer. Einkaufen, Müll wegbringen, zum nächsten WiFi-Anschluss fährt man mit dem Dinghi. Wir haben eins, das aber eher zum Baden einlädt als damit täglich längere Strecken zu bewältigen. Also ein richtiges karibiktaugliches Dinghi muss her mit festem Boden, dicken Schläuchen und UV-tauglichem Material. Da die karibischen Schiffsausrüster ihre Hauptfilialen hier im niederländischen Teil der Bucht haben, werden wir schnell fündig. Super, damit geht es schon viel besser. Aber für dieses Boot ist unser Außenborder jetzt doch etwas zu klein. Sachzwang! Ein richtiger Außenborder muss her.
Mittlerweile wissen wir von einem radionet, einer Funkrunde für Segler, immer „seven thirty on channel 14“. Also den Wecker gestellt und um halb acht die Funke an. Wirklich interessant, was hier alles über den Äther geht. Mike, der netcontroller (Moderator und auch TO-Stützpunktleiter, heißt eigentlich Michael und kommt aus Wien), bringt natürlich erst einmal den Wetterbericht, dann die Sicherheitsmeldungen. Da wird auch schon mal gefragt, ob jemand den Skipper kennt, der seine Katze seit zwei Tagen alleine an Bord gelassen hat. Man einigt sich: Ja, es kennt ihn jemand. Er kommt bestimmt bald zurück. Okay, dann versorgt das Nachbarschiff bis dahin die Katze. Anschließend kommen „Mitteilungen“ z.B. über einen Flohmarkt oder dass das „barnagles“ zum Valentinstag ein „surprise dinner with drink“ für nur 10 $ anbietet, das Segeltraining für „cruiser kids“ wird angeboten und noch vieles mehr. Dann wird nach „Neuankömmlingen und Abreisenden“ gefragt. Neu eingetroffene Schiffe stellen sich kurz vor, erzählen woher und wohin. Auch wir präsentieren uns. Danach folgen „Käufe und Verkäufe“. Wir fragen hier nach einem größeren Außenborder. Drei Gebrauchte schauen wir uns daraufhin an. Danach ist klar, es muss ein Neuer sein. Wir wollen keine Bastelkisten und keine Gestohlenen. Zwei Tage nach unserer Vorstellung im radionet meldet sich ein dänisches Ehepaar über Funk. Sie haben vor zwei Jahren die USA-Ostküste und den Intra Coastal Waterway bereist. Ob wir Informationen von ihnen möchten? Unbedingt, denn da wollen wir diesen Sommer hin! Die beiden kommen mit dem Dinghi vorbei, beschenken uns mit einer USA-Karte und vielen, vielen guten Tipps und Hinweisen. Toll, mange tak!

Es sind auch jede Menge Werften hier ansässig. Daher wollen wir die Gelegenheit nutzen und das Schiff aus dem Wasser zu holen. So können wir den Unterwasserbereich (Anoden noch da?) und die Welle kontrollieren. Da wir längere Motorbootfahrten vor uns haben, versuchen wir das Dröhnen des Motors durch den Einbau einer flexiblen Kupplung zu verringern. Wir haben uns für eine Werft auf der französischen Seite entschieden, von der wir allerdings mittlerweile die merkwürdigsten Geschichten gehört haben. Auch von den Leuten, die auf der Werft arbeiten. Aber die Deutschen hier reden nie gut übereinander, sondern der eine warnt uns vor dem anderen. Komische Szene. Viele sind hier gestrandet und schlagen sich mehr schlecht als recht durch. Morgen geht es nun zur Werft. Wir haben schon mal ein paar Vorhängeschlösser für unsere Backskisten gekauft und alle variablen Teile unter Deck verstaut. Denn in der letzten Funkrunde hat jemand seinen Propeller gesucht. Er hätte ihn auf einer Werft „verloren“. Später stellte sich heraus, der ist ihm da geklaut worden. Nun gut, wir erwarten die nächste Woche mit Spannung und werden berichten.

Die Fotoauswahl ist heute beschränkt, da leider einige Fotos unwiderruflich gelöscht wurden :-(((

Antigua - Sonnenuntergang in "unserer" Ankerbucht.
Übrigens mit einer Lumix fotografiert  ;-)

"Unsere" Ankerbucht - von oben aus dem Mast.

Holly von oben.
Keine Ahnung, warum das Wasser von oben grün aussieht.

Der Schäkel der Gennakerrolle ist etwas abgewetzt.

St. Maartin - Zufahrt zur Lagune ...

... echt niederländische Klappbrücke.

Die Lagune.

Unser neues Dinghi wird zu Wasser gelassen.

Dinghi - alt und neu.

Unsere Nachbarn am Ankerplatz.

Nachbarn



Das "Ei" ist ein Sitzmöbel.

Das Schiff kennen wir doch?!
Constantin mit der Dantes aus Hamburg.

Kommunikationstechnik im Abendlicht.

Lagune mit Regenbogen.